Das ICH fürs WIR – Ehrenamt

Ich kann Vorstand

„Aber muss ich das tun, nur weil ich es kann?“

Diese Frage stelle ich mir nun schon seit einigen Monaten. Denn schon wieder stehen wir – das Ruth Cohn Institut Rheinland Westfalen (RCI RW) – kurz vor einer Mitgliederversammlung und schon wieder stellt sich die Frage, was wir tun, wenn sich keine/r für die diversen Vorstandsämter, die dringend zu besetzen sind, findet. Die Vereinsauflösung ist in dieser Situation die letzte, die radikalste und schmerzhafteste Lösung.

Mit dieser Situation stehen wir nicht allein, das weiß ich. Viele Vereine suchen händeringend nach Menschen, die Ehrenämter wie u.a. Vorstandsämter in Vereinen übernehmen. Dabei üben knapp 16 Millionen Personen in Deutschland ein Ehrenamt aus, das sind 27 Prozent aller Berufstätigen. So schlecht ist das nicht. Da müsste doch auch eigentlich irgendwer für unseren Verein dabei sein, oder? Die Statistik sagt aber auch, dass sich die meisten Menschen in Sportvereinen engagieren, dazu gehört der RCI RW sicherlich nicht.

Als ich im Internet zu dem Thema recherchiert habe, belustigte mich der Titel dieses Beitrags Vielleicht ist es so einfach? Vielleicht war ich immer nur zu doof, um Nein zu sagen und lieber andere die Arbeit machen zu lassen?

„Das Ehrenamt oder zu doof um NEIN zu sagen?!“

Ich kann auf zahlreiche Ehrenämter zurückschauen, die extrem unterschiedlich waren. Kurios war meine Vorstandsarbeit in einem Reitverein, in den ich durch Reitkurse meiner Tochter völlig ungeplant rein geschliddert bin. Sehr lange war ich bei ‚Frauen helfen Frauen‘ in Moers im Vorstand. Dort habe ich geholfen, eine Beratungsstelle für Frauen, die von Gewalt bedroht sind, aufrecht zu erhalten. Zurzeit bin ich noch Vorstand in einem Berufsnetzwerk-Verein für Frauen und in einem Städte-Partnerschaftsverein sowie im RCI Rheinland/Westfalen.

Im Rückblick war alles recht erfolgreich und ich sehe es nicht als verlorene Zeit. Ich bin mit anderen Mitstreiter/innen durch Höhen und Tiefen gegangen. Habe viele teils einschneidende Veränderungen mit initiiert und durchgesetzt. Habe Menschen eingestellt und gekündigt. Ich habe Macht im Sinne von „machen“ ausgeübt und das über eine Reihe von Jahren.

Was reizt mich am Ehrenamt?

Interesse und Überzeugung an der Sache bzw. dem Vereinsziel sind mir wichtig. Gerne habe ich ein definiertes Ziel vor Augen, das ich gemeinsam mit anderen erreichen will. Geholfen haben mir meine Fähigkeiten, die ich mir im Beruf aufgebaut habe bzw. auch dort nutzbringend einsetzen konnte: Verlässlichkeit im Umgang mit den Vorstandskollegen, ein gutes Projektmanagement und die Bereitschaft die Initiative zu ergreifen und Verantwortung zu übernehmen.

Ich kann Vorstand – aber will ich das noch?

Diese Frage beschäftigt mich zurzeit und ist noch nicht beantwortet. Beim TZI-Barcamp biete ich zu diesem Thema eine Session an, denn es ist – wie ich meine – ein Thema, dass viele Vereine und Menschen ganz aktuell betrifft. Ich freue mich darauf, mich mit dir / euch auf dem #TZIbarcamp auszutauschen. Meine vorläufigen Sessionvorschläge findest du / ihr unter https://tzibarcamp.de/sessions/

Autorin

Karin Reiche
, Referentin für Öffentlichkeitsarbeit und Kommunikation in einem Energieunternehmen. Firmeninterne und externe Trainerin und Moderatorin, u.a. für Team- und Führungskräfteentwicklung, Ideen- und Wissensmanagement. TZI Grundausbildung und verschiedene Zusatzausbildungen.

Die TZI und „mich ehrenamtlich zu engagieren“, liegen mir am Herzen. So bin ich seit gut sechs Jahren Mitglied des Vorstands des Ruth Cohn Instituts Rheinland-Westfalen – zur Zeit kommissarisch – und in weiteren Vereinen ehrenamtlich aktiv.

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